Zwischen dem, was war, und dem, was werden möchte
Zwischen den Jahren entsteht ein seltener Raum. Das Vergangene ist noch nah. Das Neue hat noch keine feste Gestalt. Für einige Tage müssen wir nicht sofort weitergehen.
Was möchte gewürdigt werden, bevor dieses Jahr zu Ende geht? Was darf ruhen? Und was beginnt vielleicht schon leise zu rufen, ohne dass wir ihm gleich einen Namen geben müssen?
Im winterlichen Il Convento geben wir diesen Fragen Zeit. Nicht nur im Denken, sondern im Körper, in der Bewegung, im Schweigen und draußen in der Landschaft. Wir lauschen mit den Ohren und mit der Haut, mit unserem Atem, unserer Müdigkeit, unserer Freude und mit allem, was noch unfertig ist.
Vielleicht müssen wir das neue Jahr nicht entwerfen. Vielleicht können wir ihm begegnen.

Vier Fäden durch diese Tage
Langsamkeit
Wir dehnen die Zeit und geben auch Ruhe, Schlaf, Schreiben und Nichtstun einen Platz.
Bewegung
Wir lauschen durch den Körper: fein und still, wild und verspielt, atmend, tanzend und schwitzend.
Gemeinschaft
Wir teilen Alltag und Mahlzeiten, hören einander zu und lassen uns im Gegenüber sichtbar werden.
Natur & Ritual
Wald, Olivenhaine und Meer werden zu Gegenübern auf unserem Weg über die Jahresschwelle.
Stille ist nicht die Abwesenheit von Beziehung
Wenn das Sprechen aufhört, verschwinden die anderen nicht. Blicke, Schritte, Bewegungen und gemeinsame Mahlzeiten bleiben. Vielleicht wird sogar deutlicher, wie sehr wir aufeinander antworten, lange bevor Worte entstehen.
Für manche ist Stille eine Entlastung, für andere zunächst fremd oder unruhig. Beides darf Teil der Erfahrung sein. Wir gehen behutsam hinein: Am 29. Dezember beginnen ruhigere Phasen. Der 30. und 31. Dezember sind Tage vollständiger Stille. Nach dem Jahreswechsel kehren wir langsam zum gesprochenen Austausch zurück, während längere stille Zeiten bestehen bleiben.
Stille ist hier kein Rückzug aus der Gemeinschaft. Sie ist eine andere Weise, gemeinsam anwesend zu sein.
Ein Rhythmus, kein Stundenplan
Die Tage haben eine Form, ohne eng zu werden. Die konkreten Einladungen richten sich auch danach, was in der Gruppe lebendig ist und was der Moment braucht.
- MorgenStille, Meditation, Breathwork oder sanfte Bewegung
- VormittagGemeinsamer Brunch und Zeit zum Ruhen oder für einen Spaziergang
- NachmittagContact Improvisation, Körperarbeit, Naturpraxis oder Schwellengang
- AbendGemeinsames Essen, Austausch, freier Tanz, Schreiben oder Ritual
Es braucht keine Vorerfahrung in Tanz, Meditation, Körperarbeit oder Stimme. Jede Einladung darf an die eigenen Möglichkeiten angepasst werden. Auch Ausruhen, Beobachten oder eine Praxis auszulassen kann eine stimmige Teilnahme sein.
Die Fragen mit über die Schwelle nehmen
Zum Jahreswechsel wird oft nach Vorsätzen gefragt. In diesen Tagen interessiert uns etwas Tieferes: die Fragen, die noch keine schnelle Antwort wollen.
Was hat mich durch dieses Jahr getragen? Was ist zu Ende und wurde noch nicht verabschiedet? Was möchte ich nicht länger festhalten? Welche Ahnung von Leben will im neuen Jahr mehr Raum bekommen?
Wir begegnen diesen Fragen schreibend, bewegend, atmend und in Ritualen. Manche Rituale laden zum ganz feinen Lauschen ein. Andere brauchen Feuer, Stimme, Tanz, Schweiß und gemeinsames Feiern. Das Neue muss dabei noch keine Vision sein. Vielleicht zeigt es sich zuerst als Bild, Körperempfindung, Satz oder kaum merkliche Bewegung.
Die Landschaft wird zum Gegenüber
Das Il Convento liegt zwischen Wald, Bergen, Bächen und Olivenhainen. Die winterliche Landschaft ist nicht Kulisse. Sie antwortet: mit kalter Luft auf der Haut, dem Geräusch des Wassers, kahlen Ästen, Nebel, Wind und dem wechselnden Licht.
Bei Spaziergängen und einem persönlichen Schwellengang verlassen wir für eine Weile die vertrauten Wege. Geräusche, Wetter, Gelände und die eigenen Reaktionen werden Teil der Erfahrung.
Ein gemeinsamer Ausflug ans Meer öffnet den Blick noch einmal anders. Wir gehen, atmen und versammeln uns dort, wo Land und Wasser sich berühren. Was wird hörbar, wenn vor uns nur Weite liegt?

Sehen und gesehen werden
Manches können wir nur allein hören. Anderes wird erst im Gegenüber sichtbar. Deshalb wechseln sich Rückzug und gemeinschaftliche Räume ab.
In Kreisen des Zuhörens und Spiegelns versuchen wir nicht, einander zu erklären oder zu reparieren. Wir geben zurück, was uns berührt, welches Bild oder welche Bewegung bei uns nachklingt. So kann jede Person dem eigenen Erleben noch einmal anders begegnen.
Gemeinschaft entsteht daneben auf unspektakuläre Weise: beim Schneiden von Gemüse, beim Abwasch, am Feuer, in einem Blick während der Stille oder wenn nach Tagen wieder Worte geteilt werden.
Das Retreat wird mit Aaron und einem neu zusammengestellten Leitungsteam stattfinden. Die weiteren Leiter:innen werden vorgestellt, sobald das Team vollständig bestätigt ist.

Vielleicht sind diese Tage für dich
- Du spürst, dass dein Alltag zu laut oder zu schnell geworden ist und dein Körper nach einer Unterbrechung ruft.
- Du hast vieles getragen, geleistet oder erreicht - und sehnst dich trotzdem nach mehr Lebendigkeit, Sinn und innerer Verbindung.
- Du möchtest weniger funktionieren und wieder feiner wahrnehmen, was dir wirklich entspricht.
- Du wünschst dir, dem neuen Jahr nicht mit noch mehr Vorsätzen, sondern mit Klarheit, Präsenz und einem verkörperten Ja zu begegnen.
- Du bist bereit, dich auf Stille, Bewegung, Gemeinschaft und das Ungeplante einzulassen.
Womit du kommen kannst
- Erschöpfung und innere Unruhe
- Abstand zum eigenen Körper
- Das Gefühl, nur noch zu funktionieren
- Offene Fragen an das kommende Jahr
Wofür Raum entstehen kann
- Ruhe, Atem und neue Kraft
- Spürbare Verbindung mit dir selbst
- Lebendigkeit in Bewegung und Begegnung
- Eine leise, eigene Ausrichtung für das Neue
Wenn du beim Lesen ein stilles Ja bemerkst, darfst du ihm folgen.
Ja, ich möchte dabei seinBeitrag und inklusive Plätze
Der Retreat-Beitrag umfasst die inhaltliche Begleitung. Bei einer verbindlichen Anmeldung bis zum 10. November 2026 gilt der Frühbucherbeitrag von 350 €. Danach beträgt der reguläre Beitrag 400 €. Wer 450 € beitragen kann, unterstützt damit die vergünstigten Plätze.
Die Unterkunft kostet pro Person und Nacht im Mehrbettzimmer 38 bis 40 €, im Doppelzimmer 46 bis 67 € und im regulären Einzelzimmer 45 bis 69 €. Grundlage ist die Il-Convento-Preisliste 2026 abzüglich 43 € Vollpension pro Person und Tag. Bei alleiniger Belegung eines Doppel- oder Komfortzimmers kommt je nach Zimmer ein Aufschlag hinzu; dadurch sind 66 bis 97 € pro Nacht möglich. Die einfache vegetarische Verpflegung mit Brunch und Abendessen kostet für das gesamte Retreat 180 €. Damit beginnt der Gesamtpreis einschließlich sechs Übernachtungen und Verpflegung bei 758 € im Frühbucherzeitraum und danach bei 808 €, jeweils zuzüglich Anreise.
Vergünstigte Helferplätze und Stipendien
Für Menschen mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten gibt es vergünstigte Helferplätze zum Gesamtpreis von 650 €. Der Preis umfasst den Retreat-Beitrag, die Verpflegung und einen Platz in der günstigsten Zimmerkategorie. Mit einem vergünstigten Platz übernimmst du während des Retreats verbindlich drei Küchenschichten bei der Vorbereitung von Brunch oder Abendessen oder beim anschließenden Aufräumen.
Außerdem sind zwei stark geförderte Stipendienplätze zum Gesamtpreis von 290 € vorgesehen. Stipendiat:innen übernehmen verbindlich vier Küchenschichten. Eine Schicht dauert etwa ein bis zwei Stunden und beginnt je nach Aufgabe morgens um 8:30 oder 11:00 Uhr sowie abends um 17:00 oder 19:30 Uhr. Während dieser Zeiten kannst du an zeitgleich stattfindenden Programmpunkten nicht teilnehmen. Für vergünstigte Helfer- und Stipendienplätze müssen eigene Bettwäsche und Handtücher mitgebracht werden.
Die Anmeldefrist ist der 15. Dezember 2026. Schreib Aaron gern schon vorher, wenn du Interesse hast, einen vergünstigten Platz brauchst oder Fragen zur Teilnahme mitbringst.
Wohnen im Il Convento
Alte Mauern, schlichte Zimmer, ein gemeinsamer Salon und Türen, die direkt in den Garten führen: Für diese Tage wird das Il Convento zu unserem Zuhause. Die Unterbringung reicht von kleineren Zimmern bis zu gemeinschaftlicheren Schlafräumen.



Anreise
Der nächstgelegene Bahnhof ist Minucciano-Pieve-Casola. Von dort kann nach Absprache eine Abholung organisiert werden; zu Fuß sind es ungefähr 30 Minuten. Ein größerer Bahnhof in der Umgebung ist Aulla Lunigiana. Wenn du eine Mitfahrgelegenheit suchst, unterstützen wir dich gern dabei, dich mit anderen Teilnehmenden zu verbinden.
